World Cruise 2016 - 22. Januar

Easter Island


Es hätte das zweite absolute Highlight der Reise sein sollen, aber es wurde leider zur grossen Enttäuschung vieler Passagiere.

Leicht verspätet erreichten wir nach fünf Tagen auf hoher See die Osterinsel. Das Meer schien ruhig und der Himmel leicht bewölkt. Alles schien ideal für den Besuch zu sein.

Hatten wir beim Wetter in Machu Picchu noch grosses Glück, sollten wir nun vom Wetterglück verlassen werden.

Als das Schiff vor der einzigen Ortschaft Hanga Roa ankerte, konnten wir bereits hohe, schäumende Wellen am Ufer sehen. Gerade als wir beim Morgenessen waren, gab der Kapitän bekannt, dass die starke Dühnung mit über 3 Meter hohen Wellen eine Überfahrt auf die Insel mit den Tenderbooten verunmögliche. Das Risiko gegen die Wellen nicht mehr zurück zu kommen sei zu gross - Safety first.


Die Passagiere schauten sich fassungslos an, denn für viele sollte die Osterinsel DAS Highlight dieses Teils der Reise sein, vor allem für diejenigen die nur diese Teilstrecke bis Tahiti fahren.

Die Brücke teilte uns mit, dass wir als Ersatz mit der Silver Whisper die Insel umrunden werden. Ein schwacher Trost der die herbe Enttäuschung nicht wettmachen konnte.

Da die Osterinsel nur rund 20 Kilometer lang und etwa ebenso breit ist, dauerte die Umrundung knapp drei Stunden und unser Destination Lecturer Jon Fleming bemühte sich uns auf die Moai’s in Strandnähe aufmerksam zu machen.
So konnten wir mit unseren Feldstechern (ein solcher gehört zur Standardausrüstung jeder Kabine) doch noch die imposante Reihe mit 15 Statuen am Strand erkennen, allerdings brauchte man starke Objektive für die Fotoapparate um dies auch in guter Qualität aufs Bild zu bekommen.


Viele der fast 1000 Moai’s auf der Insel stehen seit Jahrhunderten nicht mehr, sind umgekippt und von Gras überwachsen. Nur einige wenige Statuen wurden in den letzten Jahren wieder aufgerichtet, damit man einen Eindruck von ihrer Grösse bekommen kann. Neben den 1000 Statuen die überall auf der Insel immer in Strandnähe verteilt sind, findet man noch rund 300 unvollständige oder bei der Herstellung oder beim Transport beschädigte Moai’s im Steinbruch und auf der Strecke zum Strand.

Die Osterinsel ist vermutlich ein Mahnmal der ersten Öko-Katastrophe der Menschheit.

Nach neuen Erkenntnissen wurde die Insel erstmals im Jahr 400 nach Christus aus Polynesien besiedelt. Zu dieser Zeit war die Insel dicht bewaldet und vermutlich wuchs die Bevölkerung langsam.

Weshalb die Bewohner im 14. Jahrhundert mit der Erstellung dieser monumentalen Moai’s begannen ist nicht bekannt. Auf jeden Fall wurden alle Statuen in den folgenden 300 Jahren erstellt. Mit dem Bau der Statuen ging ein massiver Baumschlag für den Transport und die wachsende Bevölkerung (20'000 - 30’000) einher. Im 17. Jahrhundert war der ganze Wald gerodet und die Produktion der Moai’s kam zum Erliegen. Der Boden erodierte und konnte die Bevölkerung nicht mehr ernähren. Es wird vermutet, dass es dann zu Stammeskämpfen und Kanibalismus kam bis die Bevölkerung auf wenige tausend Personen gesunken war.

Als der Niederländer Jakob Roggeveen am Ostersonntag, dem 5. April 1722 auf der Insel landete, war die Insel in Europa bislang unbekannt. Es folgten Spanier, brachten wie in Südamerika Krankheiten auf die Insel und verschleppten rund 1400 Insulaner in die Sklaverei nach Peru.

1877 lebten nur noch 111 Personen auf der Insel.

Da die Insulaner keine Schriftsprache kannten, nur zwei kleine Holzstücke mit Runen gefunden wurden und alle Bewohner ausgestorben waren, sind die Wissenschaftler noch immer am rätseln wie und wieso sich hier eine komplett eigenständige Kultur entwickeln konnte.


Als wir nach dem Abendshow zurück in unser Zimmer kamen, lagen zwei Softshell-Jacken mit Inschrift ‚Venetian Society World Cruise 2016‘ auf unserem Bett bereit. Ein weiteres Andenken an die Weltreise.