World Cruise 2016 - 10. März

Hanoi, Vietnam


Eigentlich hatten wir den langen Weg von Halong nach Hanoi gar nicht in unserer Planung, aber nachdem uns unser Destination Lecturer Jon Fleming den Ausflug nach Hanoi sehr empfohlen hatte, konnten wir im letzten Moment den eigentlich geplanten Ausflug durch den Trip nach Hanoi austauschen.


Wir bestiegen also am Morgen einen kleinen Van, welcher uns mit vier weiteren Gästen und einem Führer nach Hanoi bringen sollte. Von den Schilderungen Flemings wussten wir bereits, dass wir für die gut 180 Kilometer über drei Stunden brauchen würden. Dies bedeutet für den Hin- und Rückweg insgesamt sieben Stunden Autofahrt, also waren wir gespannt ob sich dieser Aufwand auch lohnen würde.


Gleich zu Beginn der Fahrt erklärte uns der Guide, dass es durchaus normal ist in Vietnam die Hupe oft und intensiv zu benützen. So fuhren wir in Halong los und die Hupe war im Dauereinsatz. Auf der gesamten Strecke nach Hanoi, welche meist über Hauptstrassen führt, fuhren wir im Zickzack - mal links, dann rechts - an Lastwagen vorbei, überholten tausende von Motorrollern auf denen meist zwei Personen, manchmal aber auch ganze Familien mit Gepäck sassen und hielten uns nur an die Geschwindigkeitslimiten, wenn gerade wieder ein Polizist mit dem Radargerät schlecht getarnt im Baum sass.


Nach 90 Minuten gab es eine kleine Pause - natürlich bei einem grossen Souvenierladen - bevor unser Höllenritt nach Hanoi weiterging. Als wir in der Ferne ein paar Hochhäuser ausmachen konnten, wussten wir, dass wir endlich die Hauptstadt von Vietnam erreicht hatten.


Hanoi hat mit acht Millionen Einwohnern etwa gleich viele wie die ganze Schweiz und wenn man sich in den Strassen von Hanoi als Fussgänger bewegt, hat man das Gefühl, dass einem alle Einwohner auf den Rollern entgegen kommen würden. Eine Strassenüberquerung grenzt an Selbstmord und ist nur mit ortskundiger Führung zu empfehlen.


Wir wurden zuerst zum ‚Ngoc Son Temple‘ gefahren. Dieser liegt mitten in der Altstadt Hanoi’s auf einer winzigen Insel in einem kleinen grünen See. Der Sage nach wohnt in diesem See eine riesige Schildkröte, welches das heilige Schwert bewacht mit welchem im Mittelalter der Herrscher Vietnams die Chinesen besiegt hatte.



Anschliessend führte uns unser Guide durch ein paar kleine Gassen in der Altstadt wo wir das echte Hanoi abseits der Touristenströme sehen konnten, bevor wir in einer schönen, aber etwas heruntergekommenen, französisch-kolonialistischen
Villa ein herrliches Mittagessen bekamen.




Nach dem Essen fuhren wir durch die Strassen Hanoi’s und konnten die vielen Kolonialbauten sehen, welche die Franzosen hier hinterlassen hatten und welche den Vietnamkrieg mit der ganzen amerikanischen Bombardierung überstanden hatten.


Der nächste Halt galt dem ‚Temple of Literature‘. Dieser wurde im frühen Mittelalter gebaut und hatte bereits damals eine Schule für die Kinder der Mandarine (Beamte des Königs). Daher gilt dieser Tempel heute als die älteste Universität Vietnams, allerdings existiert die Schule nicht mehr. Trotzdem kommen täglich Schulklassen hierher und werden hier mit den Anfängen Vietnams vertraut gemacht. Wir konnten eine dieser Zeremonien miterleben (siehe Video). Das Ganze lief natürlich mit dem für kommunistische Staaten obligatorischem Pathos ab.


Gleich hinter dem Tempel liegt das ‚Vietnam Fine Arts Museum‘, welches wir zu Fuss erreichten. Es reichte für einen kurzen Rundgang. Das Museum liegt in einem ehemaligen Mädcheninternat der französischen Kolonialmacht und zeigt heute Kunstwerke aus allen Epochen Vietnams.


Der letzte Halt galt dem Präsidentenpalast (ebenfalls ein Erbe der Franzosen) und dem Mausoleum von ‚Ho Chi Minh‘, dem wohl wichtigsten Gebäude in der Stadt.



Um 17 Uhr stiegen wir wieder in den Wagen und fuhren in ebenso halsbrecherischer Fahrt zurück nach Halong. Bei Dunkelheit erscheint die vietnamesische Fahrweise noch gefährlicher und wenn unser Fahrer in übersetztem Tempo auf der Gegenspur bei doppelt gezogener Linie einem entgegenkommenden Lastwagen mit Lichthupe zu erkennen gab, dass er gefälligst Platz machen soll, musste man sich einfach seinem Schicksal ergeben.


Der Ausflug war aber auf jeden Fall die Strapazen wert und wir sind nun gespannt auf Saigon (Ho Chi Minh Stadt) im Süden Vietnams.