World Cruise 2016 - 21. April

Jerusalem


Noch einmal packten wir unsere Koffer für eine letzte Overland Tour.

Am Morgen erreichte die SIlver Whisper den Hafen von Ashdod in Israel. Wir hatten eine zweitägige Reise durch das ‚Heilige Land‘ gebucht. Erstaunlich unkompliziert kamen wir durch die verschiedenen Kontrollen bevor wir den Bus besteigen konnten und Richtung Jerusalem losfuhren.


Zwar hatte ich schon viele Bilder von Jerusalem im Fernsehen und in Zeitungen gesehen, hatte aber trotzdem keine konkrete Vorstellung wie diese Stadt aussehen würde.


Kurz hinter Ashdod erreichten wir die ersten Hügel und unser Guide Beni erklärte uns, dass Jerusalem auf 800 Meter über Meer liegt. Wir würden also nun für rund zwei Stunden in die Berge hinauffahren. Dies war die erste grosse Überraschung für mich, denn ich hatte mir Jerusalem immer in einer Ebene am Rande einer Wüste vorgestellt.


Wir fuhren durch hügeliges Gelände, welches uns allmählich in die Höhe von Jerusalem brachte. Auf beiden Seiten der Strasse konnte man überraschend viele Pflanzen und Bäume sehen. Vor allem fielen uns die vielen Nadelbäume auf.


Bald erreichten wir das ‚Israel Museum‘ am Rande von Jerusalem. Dieses Museum zeigt eine 1:50 Abbildung der alten Stadt Jerusalem mit dem jüdischen Tempel.


Das populärste und berühmteste Exponant liegen aber im ‚Shrine of Books‘. in diesem speziellen Gebäude liegen die biblischen Schriftrollen, welche Nomaden 1947 in 11 Höhlen am Toten Meer gefunden haben.


Bei diesen Schriftrollen handelt es sich um die ältesten überlieferten Schrifstücke des alten Testaments aus dem 4. Jahrhundert nach Christus. Die Rollen sind in hebräisch verfasst und beinhalten das ‚Buch von Jesaya‘ in fast vollständiger Form.


Die bis dahin gefundenen Bibelfragmente stammten aus Aleppo und wurden auf das 11. Jahrhundert datiert. Teile dieser Schriftstücke sind ebenfalls im Museum ausgestellt.

Unser nächster Halt galt dem neu erbauten Holocaust Museum. Dieses zeigt die Geschichte der Judenverfolgung während des 2. Weltkriegs.


Eine grosse Gruppe isrealischer Rekruten waren ebenfalls gerade zu Besuch. Es gehört zur Ausbildung der Soldaten ihre Geschichte zu kennen.


Nach dem Mittagessen wurden wir durch die Altstadt von Jerusalem geführt. Die Stadt verteilt sich heute über mehrere Hügel und hat über 800’000 Einwohner.

Die ganze Altstadt ist mit einer Stadtmauer geschützt, welche immer wieder von den Herrschern ausgebaut worden ist. Die Fläche in den Mauern ist nur rund einen Quadratkilometer gross und ist in vier Quartiere aufgeteilt (Christen, Muslime, Armenier, Juden). Hier drängen sich heute rund 40’000 Einwohner auf kleinstem Raum.


Eine grosse Fläche nimmt der Tempelberg ein, auf welchem zu vorchristlicher Zeit ein riesiger jüdischer Tempel stand. Dieser wurde von den Osmanen niedergerissen und eine Moschee gebaut. Diese Moschee gilt heute als die dritt wichtigste Moschee in der islamischen Welt.


Wir wurden zur Grabeskirche im christlichen Viertel geführt.


Diese Kirche befindet sich direkt auf der Stelle, wo Jesus gekreuzigt und in einer Höhle begraben worden sein soll. Die Kirche wird von allen christlichen Religionen verehrt und besteht aus einem Patchwork aus verschiedenen Stilrichtungen.


Während die Gruft von den orthodoxen Christen mit viel Kitsch und Blimblim verziert wurde (siehe Titelbild), erscheint die katholische Kapelle geradezu schlicht. Zwischen römisch und griechisch anmuteten Säulen, welche von den Kreuzritten ohne erkennbaren Grund aufgestellt wurden, laufen katholische Mönche und armenische Priester umher.


Es herrscht ein wildes Gewirr aus Sprachen, Religionen und Riten. Glücklicherweise hatte der Anschlag in der vorhergegangenen Woche viele Pilger von einer Reise nach Jerusalem abgehalten und daher konnten wir uns einigermassen frei in der Kirche bewegen.


Ein weiteres Heiligtum innerhalb der Kirche ist natürlich der Felsen, auf welchem das Kreuz stand (Golgotafelsen).


Die Grabeskirche ist eine sogenannte ‚Erinnerungskirche‘. Diese Kirchen besitzen keine feste Gemeinde, welche ihre Gottesdienste hier feiern, sondern dient lediglich der Erinnerung an ein bestimmtes Ereignis. Solche Kirchen findet man viele in Israel und anderen Pilgerorten.


Wir verliessen die Kirche und wanderten ein Stück weit über der ‚Via Dolorosa‘ entlang durch die Souks. Die Via Dolorosa beschreibt den Weg, welcher Jesus mit dem Kreuz zurücklegen musste.


Auch die Souks waren erstaunlich leer und wir kamen zügig zur Tempelmauer. Dies ist die heiligste Stätte der Juden und war ebenfalls nur von wenigen Touristen bevölkert. Man konnte auch nur wenige Juden sehen, da diese bereits für das am nächsten Abend beginnende Pessachfest ihre Vorbereitungen zu Hause trafen.


Natürlich liessen wir es uns nicht entgehen selbst an die Klagemauer zu treten und die vielen kleinen Zettel, auf welchen die Wünsche der Menschen aufgeschrieben sind, in den Ritzen der Mauer zu betrachten.


Die Klagemauer stellt das Fundament des alten jüdischen Tempels dar, auf dessen Fläche heute die Al-Aqsa Moschee steht. Die Juden beten also unten an der Mauer, während die Muslime oben in der Moschee beten.


Die Zugänge sowohl zur Mauer als auch hinauf zur Moschee sind streng bewacht. Wenn man auf diesem Platz steht und die Mauer und die Moschee betrachtet, wird einem erst bewusst wie schwer die Aufgabe ist, hier allen Religionen gerecht zu werden. Auf kleinstem Raum drängen sich drei Weltreligionen, umso erstaunlicher war für uns die friedliche Atmosphäre, welche in der Stadt herrschte. Wohl konnte man Polizei und Militär sehen, aber sie hielten sich immer im Hintergrund auf.


Nachdem wir unser Zimmer im ‚American Colony Hotel‘ bezogen und das Nachtessen genossen hatten, ging es mit dem Bus nochmals zur Altstadt wo wir ein paar tolle Aufnahmen des nächtlichen Jerusalem machen konnten.