World Cruise 2016 - 22. April

Nazareth


Am Morgen verliessen wir Jerusalem und machten einen ersten Halt auf dem Ölberg. Hier hatte Jesus seine berühmteste Predigt vor tausenden Leuten gehalten. Der Ort war offenbar bewusst gewählt, hat man doch von hier eine wunderbare Sicht auf Jerusalem und konnte dadurch ungestört konspirative Gespräche führen ohne Gefahr zu laufen, überrascht zu werden.


Für uns war der Blick auf Jerusalem auf jeden Fall ein würdiger Abschied und wir fuhren nun mit dem Bus die Hügel hinunter Richtung Jordantal.


In der Ferne konnten wir das Tote Meer erkennen und eine Tafel am Strassenrand zeigte an, dass wir gerade die Meereshöhe erreicht haben.

Es ging aber weitere 400 Meter in die Tiefe bis wir den Fuss der Hügel und den Jordan erreichten. Hier befanden wir uns also an der tiefsten Stelle der Erde. Das Tote Meer lag zur Rechten, wir jedoch machten uns auf Richtung Norden nach Nazareth.


Dazu mussten wir dem Jordan entlang durch die ‚Westbank‘ fahren. Die Westbank gehörte vor dem Sechstagekrieg zu Jordanien und wurde von Israel besetzt. Heute sind Teile der Westbank unter palästinensischer Verwaltung, alles aber immer noch unter israelischer Kontrolle.


Die Hauptstrasse entlang des Jordans nach Norden gehört zu Isreal, während viele der angrenzenden Gemeinden zum palästinischen Gebiet gehören. Teilweise fuhren wir auf der israelischen Strasse durch palästinensische Dörfer. Am Eingang der Seitenstrassen stehen Schilder, welche darauf hinweisen, dass israelische Staatsbürger hier nur mit Spezialbewilligung Zugang haben.


Diese paradoxe Situation hat dazu geführt, dass die palästinensischen Händler ihre Läden und Tankstellen nun alle an die Hauptstrasse gestellt haben, damit sie weiterhin Handel mit den Israelis treiben können.


In der Jordanebene wird extensiv Landwirtschaft betrieben, sowohl auf israelischer als auch auf jordanischer Seite. Der Fluss bildet die natürliche Grenze zwischen den beiden Staaten.


Immer wieder konnte man heruntergekommene Hütten und Siedlungen in den Hügeln sehen, welche von halb-sesshaften Beduinen bewohnt werden, die vor allem Schafzucht betreiben.


Weiter im Norden passierten wir auch jüdische Siedlungen in der Westbank, welche schwer bewacht und von Stacheldrahtzaun geschützt waren. Diese Siedler betreiben vor allem Landwirtschaft.

Am nördlichen Ende der Westbank mussten wir einen Checkpoint passieren, welcher ähnlich einem Zoll funktioniert. Viele Palästinenser wurden minutiös kontrolliert, bevor sie wieder ins nördliche Israel einreisen konnten.


Wir fuhren weiter dem Jordan entlang Richtung Norden bis wir die Stelle erreichten, an welcher Jesus von ‘Johannes dem Täufer’ im Jordan getauft worden ist.


Selbstverständlich ist auch dieser Ort zu einer Pilgerstätte geworden. Wir verzichteten auf das Bad im Wasser und beliessen es bei einer schlichten Berührung mit der Hand.


Wiederum konnten wir Pilgergruppen beobachten, welche die Taufe im Jordan vollzogen.


Wir erreichten den ‚See Genezareth‘ wo Jesus seine ersten Jünger rekrutierte und seine ersten Wunder vollbrachte. Dieser See ist der tiefstgelegene Süsswassersee der Erde (-230 Meter) und wird vom Jordan durchflossen.


Jesus stammte aus dem nahe gelegenen Nazareth und kam als erwachsener Mann nach Capernaum, wo er seine Ideen den dort lebenden Fischern erläuterte.


Mit Petrus fand Jesus seinen ersten Jünger und heute kann man die Reste von Petrus Haus, welches im 1. Jahrhundert zu einer frühchristlichen Kirche umgebaut worden war, sehen. Über den Fundamenten des Hauses thront heute eine imposante Kirche, durch dessen Boden man auf das Haus von Petrus blicken kann.



Die altchristliche Kirche befand sich gleich neben einem jüdischen Tempel und hier zeigt sich schön, wie die beiden Religionen in den Anfängen des Christentums eng miteinander verwoben waren.


Nach dem Mittagessen ging es wieder in die Berge nach Nazareth. Auch diese Stadt liegt auf mehreren Hügeln verteilt, hat mit dem Nazareth zu Jesus Zeiten aber kaum mehr etwas gemeinsam. Heute zeigt die mehrheitlich muslimische Stadt das typische Bild, welches wir auch in anderen arabischen Ländern gesehen haben.


Wir begaben uns zur ‚Verkündigungsbasilika‘ von Nazareth. Hier soll Maria verkündet worden sein, dass sie ein Kind Gottes empfangen werde. Die Quelle an welcher Maria der Engel erschien war, existiert heute noch mitten in der Stadt.


Die Kirche wurde 1969 auf den Fundamenten von Maria’s Haus erbaut und hat eine sehr interessante zweistöckige Architektur.


Im unteren Stockwerk kann man das Haus von Maria betrachten, es handelt sich hier also um eine Gedächtsnisstätte, während im oberen Stock Gottesdienste abgehalten werden.


Als wir in der Kirche waren, feierte gerade eine asiatische Pilgergruppe einen Gottesdienst und eine indische Pilgergruppe erreichte gerade die Kirche.


Wir bestiegen wieder den Bus und fuhren Richtung Haifa wo uns bereits die Silver Whisper erwartete. Haifa liegt an einem steilen Hügel. Die Häuser kleben förmlich an den Flanken. In der Mitte der Stadt verlaufen hängende Gärten von der Spitze des Hügels bis fast hinunter zum Hafen. In der Mitte dieser Gärten liegt der ’Shrine of the Bab' mit einer goldenen Kuppel.


Diese Anlage wurde von der Glaubensgemeinschaft der ‚Bahai‘ gebaut, welche ursprünglich aus dem Iran und Syrien stammten und hier Zuflucht vor Verfolgung fanden.


Nach zwei langen Tagen beendeten wir unsere letzte Overland Tour. Die SIlver Whisper nahm am Abend Kurs Richtung Kreta.