World Cruise 2016 - 8. April

Dubai


Als wir gestern Dubai erreichten, lagen bereits die ‚Europa 2‘, ‚Mein Schiff 2‘ und die ‚AIDAstella‘ vor Anker. Dass gerade vier Kreuzfahrtschiffe hier liegen ist kein Zufall, lebt Dubai doch heute vor allem vom Tourismus und Handel.


Industrie oder Landwirtschaft sucht man hier in der Wüste vergebens und das Öl ist den Scheichs auch bereits ausgegangen. Dubai ist eines der sieben Emirate der U.A.E., der Vereinigten Arabischen Emirate. Diese Emirate sind absolute Monarchien, den rund 80% Fremdarbeitern im Land werden, wenn überhaupt, nur die minimalen Menschenrechte zugestanden.


Bereist als Dubai noch Öl hatte, begann der damalige Emir Rashid damit die Stadt zu verändern. Mit dem vielen Geld aus dem Ölhandel, baute er Strassen, Infrastrukturen und Hotels. Der Emir wusste, dass er die Wirtschaft von Dubai auf neue Pfeiler stützen musste.


Der Plan war einfach und tollkühn. Aus der Wüstenstadt mit Kamelen, wurde innert 30 Jahren eine der modernsten Städte der Welt. Mitten in der Wüste bei Temperaturen zwischen 30 und 50 Grad glitzern heute hunderte Fünfsternhotels und andere Wolkenkratzer in der Sonne.


Der Verkauf von Öl macht heute gerade noch 5% des Bruttosozialproduktes von Dubai aus, der Rest kommt aus Handel und Tourismus.

Was bewegt Firmen dazu hier in Dubai einen Ableger zu eröffnen? Man zahlt keine Steuern! Daher haben viele der Weltmarken hier einen Ableger eröffnet - nicht um zu produzieren, auch nicht um Dienstleistungen zu erbringen, sondern einzig zum Zweck Steuern zu sparen.


Für ihre Fluggesellschaft ‚Etihad’ kaufte sich Dubai auch viele neue Flugzeuge und baute eine der grössten Fluggesellschaften der Welt auf. Der Flughafen von Dubai ist heute der Grösste der Welt. Er dient als Hub zwischen Europa und Asien. Viele Fluggesellschaften fliegen heute nach Dubai, wo Passagiere umsteigen und dabei meist noch ein paar Tage in der Stadt verbringen.


Weshalb kommen diese Touristen in die Stadt? Dubai setzt auf Shopping, ähnlich wie Singapur, nur ist in Singapur der Handel real und dient nicht in erster Linie der Steuerersparnis. Überall findet man riesige Shopping Malls wo man meist Markenartikel zu moderaten Preisen kaufen kann. Dies allein würde aber nicht genügen die Touristen hierher zu locken, da man auch anderswo günstig einkaufen kann. Also setzt man zusätzlich auf Superlativen - das höchste Gebäude, das grösste Aquarium, das teuerste Hotel etc.


Dies allerdings ist eine riskante Strategie, da man in einem stetigen Konkurrenzkampf mit anderen Städten liegt und immer wieder nachlegen muss. Irgendwann wird der Reiz der Superlativen auch in Dubai bei den Touristen schwinden und dann muss sich die Stadt behaupten.


Man setzt nun auf Urlaubstourismus und baut riesige Resorts entlang der Küste. Offenbar scheint das Konzept zu greifen, obwohl ich nicht verstehe, wie jemand bei dieser Hitze Urlaub machen will - in einem Land, in dem es Frauen nur an streng reglementierten Stränden überhaupt erlaubt ist im Bikini zu baden, Alkohol in der Öffentlichkeit ein absolutes Tabu, im Hotel aber kein Problem ist und die vielen Fremdarbeiter draussen vor der Stadt unter unsäglichen Bedingungen leben müssen. Es sind ja gerade auch die Scheichs aus den Emiraten und aus Saudi-Arabien, welche die Moscheen bei uns finanzieren und einen strengen Islam predigen lassen. Letztendlich finanzieren wir damit den Terror indirekt mit.


Als 2008 die Wirtschaftskrise viele Jobs vernichtete und den Leuten das Geld fehlte, in Dubai einkaufen zu gehen, kam der Wüstenstaat in arge Bedrängnis. Der reiche Bruder aus Abu Dhabi musste einspringen und rettete Dubai vor dem Bankrott. Als Dank ist heute das höchste Gebäude der Welt nach dem Emir von Abu Dhabi, Scheich Khalifa benannt - Burj al Khalifa.


Heute geht es Dubai wieder blendend. Die Stadt ist eine grosse Baustelle. Man kann kaum ein Foto schiessen ohne irgendwelche Kräne im Bild zu haben. Bald wird das grösste Riesenrad der Welt aufgestellt, aber wir wissen nur zu gut,
nach der Wirtschaftskrise ist vor der Wirtschaftskrise und so muss Dubai wohl weiter darauf hoffen, dass die Firmen trotz geplanten Steuern hier bleiben und die Touristen weiterhin in unterkühlten Malls einkaufen wollen.


Dubai ist eine Retortenstadt, es ist Singapur, aber ohne Vergangenheit. Alte, koloniale Häuser fehlen, ausser den paar heruntergekommenen Hütten bei den Gold und Spice Souks ist nichts vom alten Dubai übrig geblieben, Las Vegas, aber ohne Kasinos mit dem selben Problem für die wachsende Stadt immer genügend Wasser zu erzeugen.




In Dubai lebt eine Parallelgesellschaft, die Herrscher leben in ihren Palästen und geben sich streng islamisch, Demokratie ist keine Option, für Handel und Tourismus werden Zugeständnisse gemacht genau dort und so viel, wie es nötig ist, die Touristen bei Laune zu halten.


Dubai muss man bestimmt nicht jedes Jahr besuchen, auch wenn sicher wieder dutzende neue Wolkenkratzer entstanden sein werden. In wenigen Jahrzehnten wird sich zeigen, ob die Strategie der Scheichs erfolgreich war, dann nämlich, wenn auch Abu Dhabi das Öl ausgegangen sein wird.