Wenn einer eine Reise tut…

Ein Sprichwort sagt “Wenn die Kinder aus dem Haus sind und der Hund gestorben ist, dann beginnt das Leben”.

Für mich und meine Frau könnte dieser Spruch wohl kaum treffender sein, sind doch alle Kinder ausgezogen und unsere geliebte Colliehündin letztes Jahr gestorben.

Hinzu kommt, dass ich mein 10-jähriges Firmenjubiläum feiern werde und ich dazu einen Sabbathical bekommen hätte - man beachte den Konjunktiv!

Im Rahmen von Sparmassnahmen wurde der Sabbathical um 5 Jahre verschoben auf einen Zeitpunkt an dem ich meine Pensionierung und kein Jubiläum mehr feiern werde.

Die Sache war also klar - jetzt oder nie!

Weltreise

Seit der Weltumsegelung von Magellan haben Reisen um die Welt die Menschen bis in unsere Zeit fasziniert. Man versuchte sich mit Schiffen, Flugzeugen und Autos gegenseitig zu über- bzw. unterbieten.

Wir erinnern uns noch an Bertrand Picards Weltumrundung mit einem Ballon im Jahre 1999 und sein derzeitiger Versuch dasselbe mit einem Solarflugzeug zu erreichen.

Viele von uns unternehmen regelmässig Reisen in immer entlegenere Regionen unserer Erde. Diese Reisen können lang und strapaziös sein, aber sie sind doch meist auf eine Region beschränkt bevor man wieder nach Hause in den gewohnten Alltag zurück muss, nur um die nächste Reise, den nächsten Urlaub in eine andere Gegend zu planen. Den wenigsten ist es vergönnt mehrere Reisen aneinander zu reihen, so dass am Ende eine Weltumrundung steht.

Dies aber war stehst mein Traum.

Die Sache mit dem Schiff

Der ursprüngliche Plan war eigentlich gewesen die Erde mit einem “Around-the-World” Ticket mit dem Flugzeug zu umrunden. Nun bin ich in den letzten Jahren sehr viel privat und geschäftlich mit dem Flugzeug unterwegs gewesen und habe gelernt, dass Reisen mit dem Flugzeug vorallem eines bedeuten - warten. Warten am Checkin, warten am Zoll, warten am Gate, warten auf die Landung, warten aufs Gepäck, warten aufs Taxi und warten aufs Zimmer. Irgendwann war mir klar, dass es das Flugzeug nicht sein konnte.

Zufällig habe ich gelesen, dass gewisse Reedereien Weltreisen anbieten und das machte mich neugierig. Ich kann nicht behaupten, dass ich seetauglich bin und Schiffreisen verband ich mit Stil und Eleganz. Was ich aber über den Massentourismus auf heutigen Kreuzfahrtschiffen gelesen habe, schreckten mich ab. Ich konnte mir nicht vorstellen mit 4000 Personen auf einem Stahlriesen eingepfercht zu sein, zu vorgeschriebenen Zeiten essen zu müssen und am Captains-Dinner eine Krawatte zu tragen. Trotzdem war es neben dem Flugzeug die einzige Alternative also musste ich meine Vorurteile überprüfen.

Wir buchten eine Kreuzfahrt im westlichen Mittelmeer - auf einem Schiff mit 4000 Gästen, aber in der “Business-Class” (MSC Yacht Club) und siehe da - wir waren begeistert. Es folgte ein Jahr später die zweite Kreuzfahrt im westlichen Mittelmeer und der gute Eindruck blieb. Der Entscheid war also gefallen - wir machen die Weltreise mit dem Schiff.

Nun fing ich an die Angebote zu vergleichen und letztendlich fiel der Entscheid in erster Linie aufgrund der Routenführung von Silversea (siehe auch Die Route). Damit wir die Katze aber nicht im Sack kauften, reservierten wir eine Suite für die Weltreise (das muss man sehr frühzeitig machen, wenn man die ganze Reise in derselben Kabine sein möchte) und dazu noch eine Kreuzfahrt im baltischen Meer mit demselben Schiff und in derselben Kabine.

Auf der Silver Whisper findet man eine internationale Gesellschaft. Die Bordsprache ist englisch, der Dresscode Casual ausser bei den Galaabenden im Hauptrestaurant. Man kann aber immer auf ein anderes Restaurant ausweichen oder ganz einfach im Zimmer essen. All Inclusive heisst hier, dass man jeden Tag mehrere hervorragende Weine zur Auswahl hat, ein Glas Champagner zum Apéro selbstverständlich ist und ein guter Cognac in der Bar ebenfalls dazugehört. Das Essen ist immer auf höchsten Niveau.

Auf dem Schiff werden uns verschiedene Experten begleiten, welche tägliche Vorträge zu der jeweiligen Region/Route halten. Dadurch ist man bereits vor dem Landausflug bestens orientiert.

Wir lernten auf unserer Reise im baltischen Meer einige Amerikaner, Australier und Schweizer kennen und obwohl die Gäste auf dem Schiff bereits vielfach mit Kreuzfahrtschiffen unterwegs waren, stellten wir fest dass selbst in dieser Gesellschaft eine Weltreise etwas ganz Besonderes darstellt ‘Oh Jack - did you hear that, they are going on a Word Cruise!’.

Die Hauptprobe in der Ostsee verlief zur vollen Zufriedenheit und nun schauen wir erwartungsvoll auf den 4. Januar 2016.